Prinzip Datengenossenschaft im Handwerk

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Autor

Anna Rauhut
Ferdinand-Steinbeis-Institut

Handwerksbetriebe im Baugewerbe müssen für die Umsetzung eines Bauwerks zusammenarbeiten, da jeder Betrieb zumeist nur eins oder wenige Gewerke und damit notwendige Bestandteile eines Bauvorhabens abdecken. Während der Bauphase benötigen alle beteiligten Handwerksbetriebe Zugriff auf den Bauplan und die Möglichkeit Informationen zum Baufortschritt mit vor- und nachgelagerten Gewerken auszutauschen. Dies geschieht heute selten durch eine gemeinsame Datenhaltung, sondern häufig durch viele einzelne zeitintensive Absprachen zwischen den beteiligten Handwerksbetrieben.

Zudem haben Handwerksbetriebe während eines Bauvorhabens Zugang zu vielen nicht-personenbezogenen Daten, wie beispielsweise dem aktuellen Baufortschritt oder Umgebungsbedingungen am Bau, wie die Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Diese Daten können nicht nur für Unternehmen anderer Branchen, sondern auch für Endnutzer oder Betreiber eines Gebäudes wertvoll sein.

Der Aufbau einer technischen Infrastruktur zur Erfassung und Verwertung dieser Daten sowie der zentralen Speicherung von Bauplänen und des Baufortschritt wird aufgrund des schwer abschätzbaren Aufwands jedoch von den wenigsten Handwerksbetrieben überhaupt in Erwägung gezogen. Genau bei solchen Vorbehalten kann eine Genossenschaft entgegenwirken: Denn in einer genossenschaftlich organisierten Gemeinschaft kann der Aufwand technische Infrastruktur anzuschaffen und diese zur Nutzung der Daten einzusetzen, aufgeteilt werden.

Handwerksbetriebe als Genossen könnten gemeinsam mit externen Experten eine technische Infrastruktur aufbauen, um Pläne und Kommunikation zentral zu speichern. Zudem könnten Handwerksbetriebe u. a. Bilddaten, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte zur Beschreibung der Umgebungsbedingungen verschiedener Punkte einer Baustelle liefern. Weitere externe Partner könnten hinzugezogen werden, um weitere Services anzubieten und die Daten nutzbar zu machen. Zum Beispiel kann ein Wetterdienst den Datenpool der Genossenschaft sinnvoll erweitern, um eine die Koordination der verschiedenen Gewerke direkt auf die jeweils notwendigen Wetterbedingungen abzustimmen. Partner mit Expertise im Bereich der Datenverarbeitung könnten Daten kombinieren und Prognosen zu Trocknungszeiten und Baufortschritt zur Verfügung stellen. Auf dieser Basis kann die Genossenschaft einen zeitaktuellen Baustellenplan erstellen und die Koordination aller beteiligten Unternehmen übernehmen. Handwerksbetriebe geraten als Genossen weniger stark in die Abhängigkeit externer Bauträger, bündeln ihren Koordinationsaufwand und haben die Chance zusätzliche Gewinne zu erzielen.

Genossenschaften sind im Handwerk nicht neu

Die gleichberechtigte Zusammenarbeit von selbstständigen Betrieben in Genossenschaften ist im Handwerk verbreitet. Einkaufs- und Absatzgenossenschaften setzen bessere Konditionen beim Ein- oder Verkauf für Ihre Mitglieder um. Produktivgenossenschaften bieten die Möglichkeit für mehrere Handwerker Kapital zu bündeln und gemeinsam einen Betrieb zu führen. Lösungen „aus einer Hand“ über mehrere Gewerke hinweg werden von gewerkübergreifenden Genossenschaften angeboten. Ausbildungsgenossenschaften übernehmen die Organisation der Ausbildung, sodass sich der einzelne Betrieb voll und ganz auf die praktischen Inhalte konzentrieren kann.
Wie das Beispiel im Baugewerbe zeigt, hat das Prinzip „Genossenschaft“ auch Potenzial das Handwerk bei der digitalen Transformation zu unterstützen.

Besuchen Sie unsere Website des Forschungsprojekts TREND für mehr Informationen zu unserer Zusammenarbeit mit dem Handwerk.

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