Erste Datengenossenschaft in der Metallverarbeitung Entwicklung eines „Kühlschmierstoff-as-a-Service“-Geschäftsmodells

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Autor

Sebastian Renken
Ferdinand-Steinbeis-Institut

Kühlschmierstoffe spielen eine elementare Rolle in der Metallverarbeitung. Insbesondere bei zerspanenden Prozessen übernimmt der Kühlschmierstoff verschiedene Aufgaben. So wird die entstehende Wärme abgeführt, die Reibung zwischen Werkzeug und Werkstück wird reduziert und die entstehenden Späne werden weggespült.

Kühlschmierstoffe machen dabei einen nicht unerheblichen Teil der Produktionskosten aus: Bis zu 16% dieser können auf den Kühlschmierstoff entfallen. Damit man sich im Fertigungsbetrieb keine Sorgen mehr um den Zustand und die ausreichende Versorgung mit Kühlschmierstoff machen muss, hat sich ein Konsortium aus einem Fertigungsbetrieb, einem Hersteller von Reinigungsanlagen für Kühlschmierstoffe und einem Kühlschmierstoffhändler gebildet, um „Kühlschmierstoff-as-a-Service“ anbieten zu können. Dabei werden die Versorgung mit Kühlschmierstoff, der Betrieb der Reinigungsanlage und die Entsorgung des Kühlschmierstoffs gebündelt. Die Grundlage für dieses Geschäftsmodell stellt ein genossenschaftlicher Ansatz dar, bei dem die Zustände von verschiedenen Objekten (beispielsweise der Reinigungslage oder des Kühlschmierstoffs) in Form digitaler Abbilder innerhalb eines kooperativen Datenraums geteilt werden. Der kooperative Datenraum wird über die Datengenossenschaft bereitgestellt.

Die Datengenossenschaft ist eine Organisation in der Rechtsform einer Genossenschaft (eG), mithilfe derer die gemeinsame Sammlung und Analyse von Daten in einem Unternehmensnetzwerk bzw. in einem Ökosystem institutionalisiert wird. Im Fokus der Datengenossenschaft steht das Teilen von Zuständen digitaler Abbilder über Unternehmensgrenzen hinweg. Darauf basierend besteht die Möglichkeit, zusätzliche Wertschöpfung durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Advanced Analytics zu generieren.

In der Datengenossenschaft in der Metallverarbeitung wurden bereits digitale Abbilder der Produktionsumgebung und des Kühlschmierstoffs geschaffen. Das digitale Abbild des Kühlschmierstoffs besteht zum aktuellen Zeitpunkt aus dem pH-Wert, der Konzentration und der Temperatur. Mithilfe dieser digitalen Abbilder werden mehrere Wertschöpfungsszenarien für das Geschäftsmodell „Kühlschmierstoff as-a-Service“ realisiert: hierzu gehören unter anderem ein ständiges Monitoring des Kühlschmierstoffzustands, eine automatisierte Meldung des Kühlschmierstoffzustands bei der Berufsgenossenschaft und eine automatisierte Nachbestellung des neuen sowie eine Entsorgung des alten Kühlschmierstoffs.

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