Datengenossenschaften – Aus der Praxis 4

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Autor

Patrick Weber
Ferdinand Steinbeis Institut

Henning Baars
Universität Stuttgart Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik 1

Institutionalisierung der Datengenossenschaft Management von Kühl- und Schmierstoff

Auf der Grundlage der prototypischen Umsetzung konnten die Anforderungen für die Institutionalisierung und damit die Gründung einer Datengenossenschaft im Bereich Management von Kühl- und Schmierstoff formuliert werden.

Die Anforderungen unterteilen sich in Anforderungen in Bezug auf kooperativ genutzte Daten, Anforderungen in Bezug auf Rollen und Anforderungen in Bezug auf die Ausgestaltung der rechtlichen Elemente.

Um die Frage nach den Anforderungen in Bezug auf kooperativ genutzte Daten zu beantworten, wurde analysiert, welche Aspekte der gemeinsamen Nutzung von Daten in einer rechtlichen Form geregelt werden müssen, um das Nutzenversprechen des digitalen Ökosystems einlösen zu können. Die Case Study hat in diesem Fall ergeben, dass zum einen die Mindestanforderungen an die Häufigkeit, den Umfang und die Qualität der Datenbereitstellung sowie den Modus der Datenübergabe vorab festgelegt werden sollten. Darüber hinaus sollte die Möglichkeit bestehen, dass der rechtliche Rahmen flexibel erweitert und angepasst werden kann. Des Weiteren hat sich als wichtig herausgestellt, dass Anpassungen am gemeinsamen kooperativen Datenraum auf demokratische Entscheidungen zurück gehen sollten und dass Gremien vorhanden sein sollten, die schnell über etwaige Anpassungen entscheiden können. Hier sind vor allem Agilität und demokratische Prinzipien von zentraler Bedeutung. Zusätzlich zeigte sich, dass die Hoheit über die Datenerfassung bei den Genossenschaftspartnern liegen sollte. Abschließend ist bei den Anforderungen in Bezug auf kooperativ genutzte Daten vorab zu regeln, was mit den spezifischen Daten eines Mitgliedes nach dessen Austritt passiert.

Neben den Anforderungen in Bezug auf kooperativ genutzte Daten sollten auch die Anforderungen in Bezug auf Rollen, die innerhalb eines digitalen Ökosystems benötigt werden, betrachtet werden. Im Rahmen der Case Study konnten im Kontext digitale Ökosysteme und Genossenschaften zwei Arten von Rollen identifiziert werden. Zum einen gibt es Rollen, die von Mitgliedern der Datengenossenschaft eingenommen werden (Datenprovider bezogen auf Zustandsdaten, Datenprovider bezogen auf betriebliche Kontexte und Knowledge Provider). Zum anderen gibt es Rollen, die von der Datengenossenschaft als zentrale Institution selbst eingenommen werden (Koordinator, Administrator, Data Governance-Verantwortlicher). Die verschiedenen Rollen sollten im rechtlichen Rahmen festgehalten und einem jeweiligen Partner des digitalen Ökosystems zugeordnet werden. (Eine detaillierte Aufschlüsselung der Rollen wird in dem Beitrag „Institutionalizing Analytic Data Sharing in SME Ecosystems – A Role-Based Perspective “ vorgenommen)

Schlussendlich gibt es noch die Anforderungen in Bezug auf die Ausgestaltung der rechtlichen Elemente. Hier wurde durch das Pilotprojekt deutlich, dass es für die im Rahmen einer Genossenschaft verbundenen Unternehmen besonders wichtig ist, einen möglichst hohen Grad an Eigenständigkeit zu wahren. Der rechtliche Rahmen wurde mit einer auf Genossenschaften spezialisierten Rechtsanwaltsgesellschaft ausgestaltet. Die Erkenntnisse aus der Case Study legen nahe, dass zeitlich stabile, sprich statische Elemente in der Satzung  geregelt werden können und dass die zeitlich dynamischen Elemente in einer ergänzenden Regelordnung festgehalten werden können. Diese aus dem Pilotprojekt KSS abgeleiteten Erkenntnisse werden in weiteren Pilotprojekten evaluiert und weiterentwickelt.

Durch das Praxisbeispiel konnte ein erster Lösungsansatz in Bezug auf den rechtlichen Rahmen einer Datengenossenschaft erarbeitet werden. Auf Basis der Erkenntnisse konnten Musterdokumente  für die Gründung von Datengenossenschaften abgeleitet werden, die in den kommenden Blogbeiträgen adressiert werden.

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